Das Alte Rathaus in München mit Blick auf die Frauenkirche — © München, das Rathaus, Frauenkiche und Co. - Foto: Andreas Bedity Photography
München, das Rathaus, Frauenkiche und Co. - Foto: Andreas Bedity Photography

Hotel Mama: Junge Bayern wohnen lieber zu Hause

Jungs müssen selten im Haushalt mitarbeiten, Mädchen schon. Das hat Folgen: Junge Männer ziehen nur ungern bei den Eltern aus und werden zu Nesthockern. In Bayern ist das Phänomen besonders ausgeprägt.

 

Junge Menschen in Bayern bevorzugen das „Hotel Mama“: In keinem anderen Bundesland leben so viele 20- bis 25-Jährige noch bei ihren Eltern als im Freistaat. Das geht aus einer Analyse des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig hervor.

 

„Der typische Nesthocker ist männlich, ledig, gebildet, Student und kommt aus einem gut situierten Elternhaus“, sagte die Soziologin Sabina Enzelberger der Deutschen Presse-Agentur. Mädchen würden im Schnitt zwei Jahre früher als Jungs von Zuhause ausziehen, erläuterte die Expertin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

 

Wie das Statistische Landesamt ermittelt hat, wohnten im vergangenen Jahr im Freistaat rund 62 Prozent der Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren noch bei ihren Eltern. Bei den jungen Frauen waren es dagegen nur 49 Prozent. „Junge Frauen werden häufig in Haushaltsarbeiten einbezogen und von den Eltern aus Sorge stärker kontrolliert, deshalb ist bei Mädchen der Drang auszuziehen größer als bei den Jungs“, erklärte die Forscherin. Junge Männer nutzten dagegen die gute Ausstattung, die sie Zuhause vorfänden, wie kostenloses Internet, dass die Wäsche gewaschen und das Zimmer geputzt werde.

 

Ein Student lernt an seinem Computer

 

Diese Geschlechterunterschiede bereiten Soziologen allerdings Sorge: „Jungs gewöhnen sich daran, dass sie versorgt werden, das kann sie später unselbstständiger machen“, betonte Enzelberger. Eine Gefahr sieht sie zudem darin, dass sich die geschlechtstypische Arbeitsteilung einmal in der eigenen Familie oder in einer Beziehung fortsetzt. Eltern sollten deshalb Buben bei Arbeiten im Haushalt einbeziehen, so der Rat der Expertin.

 

In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Nesthocker moderat angestiegen, sagte Enzelberger. Wohnungsnot und höhere Mietpreise hätten besonders in Großstädten wie München dazu geführt, dass junge Leute länger bei ihren Eltern wohnen bleiben. Wie das IfL herausgefunden hat, spielt zudem die Religionszugehörigkeit eine Rolle: In katholischen Gegenden bleiben die Kinder deutlich länger im Haus der Eltern.

 

Die Münchner Frauenkirche , © Ein Münchner Wahrzeichen - die Frauenkirche

 

„Gläubige Menschen befürworten tendenziell einen längeren Verbleib erwachsener Kinder im Elternhaus, während Religionsferne eher der Ansicht sind, dass der Nachwuchs möglichst schnell auf eigenen Beinen stehen sollte“, heißt es in der Analyse. Dies könnte nach Ansicht von Enzelberger der Grund dafür sein, weshalb das katholisch geprägte Bayern den Spitzenplatz bei den Nesthockern in Deutschland einnimmt.

 

Und längst nicht jeder junge Mensch, der flügge geworden ist, sagt für immer Servus: Laut Schätzungen des IfL kehrt in Deutschland jeder Zehnte der 18- bis 32-Jährigen wieder zu den Eltern zurück, nachdem er oder sie eine Zeit lang alleine, mit Partner oder in einer WG gewohnt hat.

 

dpa/as

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