Mi., 24.06.2015 , 10:15 Uhr

Es wird immer schlimmer: Gaffer sorgen für Staus

Ein Unfall auf der Autobahn. Doch bevor der Rettungswagen am Ort des Geschehens ist, sind schon Schaulustige mit gezücktem Handy da. Das ist nicht nur aus moralischen Gründen verwerflich. Nein, so wird auch oft die lebensrettende Hilfe blockiert.

 

 

Erst am Montag gab es auf dem Mittleren Ring einen schweren Verkehrsunfall, in den ein Bus und zwei PKWs verwickelt waren. Zum Glück gab es, abgesehen von dem hohen Sachschaden, keinen schlimmen Personenschaden. Doch es war ein spektakuläres Bild: Ein Bus steht quer über der Fahrbahn, die Leitplanke klebt verbogen vorne dran. Das Auto, das den Bus gerammt hat ist völlig demoliert. Definitiv eine Szene, die man nicht jeden Tag sieht. Davon ein Selfie auf Facebook – das würde sicher viele „Gefällt mir“ einbringen. Das haben sich am Montag wohl mehrer Autofahrer gedacht, die an dem Unfall vorbeigekommen sind. Schamlos zückten sie ihr Handy und filmten und fotografierten die Szenerie.

 

 

Stau nur wegen den Gaffern

 

Um den Unfall möglichst gut ablichten zu können, müssen die Gaffer natürlich langsam fahren. Schrittgeschwindigkeit oder langsamer. Deswegen kommt es oft an Unfallstellen zu Staus, an denen eigentlich keiner sein müsste. So auch am Montag: Obwohl die Abfahrt zur A9 hätte frei sein müssen, standen die PKWs dort. Die Polizei kennt das Problem, steht ihm allerdings relativ machtlos gegenüber. Gerade in solch einer Situation haben die Beamten Wichtigeres zu tun, als die Kennzeichen der Gaffer zu notieren. „Wir können diese Leute maximal wegen Handy am Steuer dran bekommen“, erklärt Marcus da Gloria Martins, Leiter des Unfallkommandos beim Polizeipräsidium München. Und das kostet sie dann 60 Euro Bußgeld sowie einen Punkt.

 

 

 

 

PKWs bilden keine Rettungsgasse

 

Ein weiterer Grund, warum der Rettungsdienst oft nicht an die Unfallstelle kommt ist, dass die Autofahrer keine Rettungsgasse bilden. Eine große Kampagne, die mit Plakaten auf der Autobahn dafür wirbt soll die PKW Fahrer verstärkt auf diese Pflicht hinweisen. Im schlimmsten Fall kostet es ein Menschenleben, wenn die Hilfe zu spät kommt. Auch hier kann die Polizei ein Bußgeld verlangen. 20 Euro. Nicht gerade viel, bedenkt man, dass dieses Verhalten tödlich sein kann.

 

 

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